Konzert zu Ehren von Kirchenmusikdirektor Sigmund Bothmann

Gütersloh (gl). Ehre, wem Ehre gebührt. Im Kulturleben der Stadt Gütersloh und weit darüber hinaus fällt dazu sofort Kirchenmusikdirektor Sigmund Bothmann ein. Bei der Chorvesper zu Ehren seines 30-jährigen Schaffens in Gütersloh sparten die Laudatoren am Donnerstag in der Martin-Luther-Kirche nicht mit Lobesworten.

Allen voran hob Pfarrer Stefan Salzmann, der Vorsitzende des Presbyteriums der Evangelischen Kirchengemeinde Gütersloh, den „hohen, künstlerischen Anspruch“ hervor, mit dem Bothmann mit „Leidenschaft und Liebe allen ganz besondere Momente der Musik geschenkt“ habe. Schmunzelnd erinnerte sich Welf Sundermann, der Vorsitzende des Fördervereins des Bachchors, daran, dass Bothmann wegen „unklarer Konfession“ erst in der zweiten Runde überzeugte und hob dessen Fähigkeiten als Chorleiter, Konzertorganist, Organisator und vor allem als weltzugewandter Mensch hervor.

Berührend philosophierte Pfarrer Peter Schröder über die langjährige Freundschaft mit dem Jubilar, mit dem er bereits vor 35 Jahren in der Augustdorfer Dorfkirche zusammenarbeitete und den er als Menschen, der das Leben und die Musik liebe, besonders schätze.

Mit dem technisch glanzvollen Präludium Es-Dur, BWV 532 des jungen Johann Sebastian Bach eröffnete Bothmann selbst die musikalische Feierstunde. Allein die ersten aufwärtsstürmenden Klänge reißen den Hörer mit und signalisieren, dass es um die Virtuosität, besonders um die des Pedals geht. Nicht nur ein charismatischer Chorleiter, was er am Konzertabend einmal mehr bewies, ist er auch ein hervorragender Konzertorganist. Außer kürzeren, eindrucksvollen Chorwerken von Heinrich Schütz und Claudio Monteverdi, ragte die fünfstimmige Motette „Jesu, meine Freude“ BWV 227 hervor.

Für viele Chorsänger einfach „die“ Motette Bach, bleibt es ein Geheimnis, warum Bothmann die höchstwahrscheinlich für eine Trauerfeier komponierte Musik gewählt hat. Mit feinstem Gespür von Linda Mantcheva (Violoncello) und Gerhard Abe-Graf (Orgel) begleitet, sang der Chor lupenrein intoniert und mit größter Hingabe unter dem gewohnt mitreißendem Dirigat Bothmanns.

Und selbstverständlich zeigten sich auch der Knabenchor und die Choralsingschule Gütersloh unter der Leitung von Benjamin Reichert von der besten Seite und verzückten mit abwechslungsreichen Liedern italienischer und englischer Komponisten aus dem sechszehnten Jahrhundert. Nach der Zugabe mit Josef Rheinbergers „Bleib bei uns, denn es will Abend werden“ op. 69, Nr. 3 hörte man so manchen der zahlreichen Besucher in der vollbesetzten Kirche sagen, dass es noch viele Konzerte mit Bothmann und dem Bachchor geben möge.

Dr. Silvana Kreyer, Die Glocke, 03.09.2022